Carmina Burana im August

Die Carmina Burana von Carl Orff ist ein unglaublich weit verbreitetes Werk, das nicht nur bei Musikfreunden, sondern generell sehr bekannt ist. Und trotzdem wissen wir eigentlich oft nicht so genau, worum es in diesem Werk geht. Um diesem Werk und seinem Komponisten etwas näher zu kommen, biete ich einige Themenbeiträge dazu an.

Im heutigen Beitrag geht es um die Herkunft der Texte, um eine Kurzbiographie von Carl Orff und um etwas vertrauter mit dem Inhalt zu werden, die Übersetzung des ersten Liedes «Oh, Fortuna».

 

Herkunft der Carmina Burana

Die Carmina Burana, übersetzt «Lieder aus Benediktbeuren», ist eine Sammlung von mittellateinischen, mittelhochdeutschen, altfranzösischen oder provenzalischen Lied- und Dramatexten. Sie wurden 1803 in der Bibliothek des Klosterns Benediktbeuren in der Diözese Augsburg, Bayern (siehe Foto) wiederentdeckt, ursprünglich stammen die Texte aus dem 11. Und 12. Jahrhundert. Zunächst ging man davon aus, dass die Texte auch in Benediktbeuren entstanden, mittlerweile weiss man, dass dies nicht richtig ist. Es gibt zwei Hypothesen, die eine geht davon aus, dass der Ursprung der Bischofshof von Seckau in der Steiermark ist, und die andere hält das Koster Neustift bei Brixen in Südtirol, das ein weltoffeneres Augustiner Chorherren Stift war, für den Entstehungsort.

Die Textsammlung kann in vier Gruppen unterteilt werden, in 55 moralischen und Spottgesänge, in 131 Liebeslieder, 40 Trink- und Spielerlieder sowie 2 längere geistliche Theaterstücke.

In der Carmina Burana von Carl Orff sind 24 dieser Texte ausgewählt und vertont.

 

Kurzbiographie zu Carl Orff:

Carl Orff wurde im Juli 1895 in München geboren. Ab 1900 erhielt Klavier-, Cello- und Orgelunterricht. Schon früh komponierte er kleinere Stücke und sammelte im Schulchor und -orchester, das er auf einem seiner Tasteninstrumente begleitete, erste Erfahrungen beim gemeinschaftlichen Musizieren.

1913/14 studierte er an der Königlichen Akademie der Tonkünste in München und widmete sich erstmals auch der Musikpädagogik. Bis 1919 war er unter anderem Kapellmeister in München, Mannheim und Darmstadt. 1921/22 studierte er bei dem Komponisten Heinrich Kaminski. 1924 gründete Orff gemeinsam mit Dorothee Günther die „Günther-Schule München – Ausbildungsstätte vom Bund für freie und angewandte Bewegung e. V.“

In den 50-ziger Jahren veröffentlichte er 5 Bände «Musik für Kinder», die auch heute noch in der Heilpädagogik eingesetzt werden. Neben seiner Arbeit als Komponist leitete Carl Orff auch verschiedene musikalischen Einrichtung.

1982 starb er in seiner Heimatstadt München.

 

Übersetzung des ersten Liedes «Oh, Fortuna»

O Fortuna,

velut luna statu variabilis, semper crescis aut decrescis;

vita detestabilis nunc obdurat et tunc curat ludo mentis aciem, egestatem, potestatem dissolvit ut glaciem.

Sors immanis et inanis, rota tu volubilis, status malus, vana salus semper dissolubilis, obumbrata et velata michi quoque niteris; nunc per ludum dorsum nudum fero tui sceleris.

 

Sors salutis et virtutis michi nunc contraria, est affectus et defectus semper in angaria.

Hac in hora sine mora corde pulsum tangite; quod per sortem sternit fortem, mecum omnes plangite!

 

Oh Schicksal,

wie der Mond von veränderlicher Position, immer wächst du oder schwindest;

das grässliche Leben ist jetzt hart und heilt dann, die Geisteskraft spielend, die Armut, die Macht löst es auf wie Eis.

Monströses und leeres Los, du sich drehendes Rad, üble Position, unzuverlässige Gesundheit immer auflösbar, überschattest und bedeckst Du mich, stützt dich auch auf mich; jetzt trage ich deinen Schandtaten zum Spiel, den Rücken bloß.

Los der Gesundheit und Tugend jetzt gegen mich, es ist beeinflusst und beeinträchtig immer im Frondienst.

In dieser Stunde, ohne Verzug, kommet zu jenem, der im Herzen geschlagen wurde; denn durch das Los breitet es den Zufall aus, klagt alle mit mir!

 

 


Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

7 + 3 =